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Warum der Mensch sich immer weniger konzentrieren kann – und was das für die Kommunikation bedeutet


Die Konzentrationsfähigkeit nimmt ab?

„Bei einem Buch oder langen Artikel wollte mein Kopf schon nach wenigen Seiten das tun, was er vom Internet kennt: E-Mails checken, auf Links klicken, mal ein bisschen googeln. Das brachte mich dazu, einmal die Hirnforschung danach zu befragen, was das Internet mit uns macht und wie wichtig es ist, aufmerksam zu sein“, so der Literaturwissenschaftler und ehemalige Herausgeber der Harvard Business Review Nicholas Carr im Jahr 2007.
In seinem Buch “Wer bin ich, wenn ich online bin … und was macht mein Gehirn solange?“ schreibt er ausführlich zu diesem Thema.
Ergebnis: Das Internet überschwemmt uns mit einer Flut an Daten, Zahlen, Ereignissen – und verändert unsere Kultur.
Den amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Tyler Cowen zitiert Carr:
„Wenn Informationen leicht zugänglich sind, bevorzugen wir meistens die kurzen, die netten und die mundgerechten.“
Seither sind Jahre vergangen und das Thema blieb spannend.
Im Jahr 2015 wurde eine Microsoft-Studie im Ergebnis so zitiert, dass der Mensch im Internet mit 8 Sekunden inzwischen eine kleinere Aufmerksamkeitsspanne hat als ein Goldfisch.
Auch wenn dies sicher etwas plakativ und provokativ formuliert ist, deutet es in die Richtung einer weiterhin abnehmenden Konzentrationsfähigkeit.
Die aktuellsten Zahlen zum Umgang des Menschen mit Internet-Postings sind drastisch, werden mir aber durch jeden Workshop- oder Vortrags-Teilnehmer immer wieder bestätigt:
Nach durchschnittlich nur 1,7 Sekunden entscheidet der Mensch, ob er sich mit einem Facebook-Posting näher beschäftigt oder weiterscrolt.
Nur diese Zeitspanne haben Sie folglich, um die notwendige Aufmerksamkeit für Ihre Postings, Botschaften oder Ihren verlinkten Content herzustellen. Gelingt Ihnen das nicht, gehen all Ihre Bemühungen und Content-Kosten ins Leere.
Welche Schlußfolgerungen ergeben sich daraus?

1 – Starke erste Posting-Sätze

Ganz gleich, ob Sie Ihr Posting mit einem Foto oder Video bestücken oder reinen Text verwenden, die ersten Posting-Wörter werden immer gelesen und sind daher extrem wichtig. Ihnen kommt die Funktion einer Headline zu, dem wichtigsten Instrument in der textlichen Kommunikation.
Eine Headline bzw. der erste Posting-Satz muss Leser in Sekundenbruchteilen packen, für das gesamte Posting begeistern und zum Anklicken, Teilen oder Liken motivieren.
Auch hierzu gibt es Studien, unter anderem die von CoSchedule.

2 – Starke und relevante visuelle Impulse

Die wichtigste Aufgabe im Kampf um die Aufmerksamkeit kommt den visuellen Impulsen zu, die ein Posting prägen, dem Foto oder Video.
Noch bevor der Mensch den ersten geschriebenen Satz liest, schaut er auf Fotos oder Videos, wenn denn eines in seinem Blickfeld auftaucht.
Dies ist keine neue Erkenntnis. Schon in den 90ern konnte das in der Marktforschung mit Hilfe des Eye Tracking bzw. der Augenkamera festgestellt werden. Mit dieser Methode wurden zum Beispiel Einstiegspunkt, Betrachtungsdauer und Blickverläufe bei Zeitungsanzeigen gemessen.
Unterliegen Sie jedoch bitte nicht der Versuchung, einfach nur Aufmerksamkeit um der Aufmerksamkeit willen zu erzeugen. Das wäre zu kurz gesprungen. Ihr Aufmerksamkeitsimpuls muss immer auch relevant sein, d.h. zu Ihnen als Marke passen und Ihre Botschaft seriös thematisieren.
Auch hier liegt, wie beim ersten Satz, die Kunst darin, den visuellen Impuls so zu gestalten, dass er den Betrachter in 1,7 Sekunden packt, begeistert und zum Anklicken, Teilen und Liken motiviert.
Bei dieser Aufgabe scheinen Videos deutlich besser abzuschneiden als Fotos. Das ist naheliegend. Zum einen sind Videos aufmerksamkeitsstärker, denn wo sich etwas bewegt, da schaut der Mensch hin, schon evolutionsbedingt.
Zum anderen sind Video besser geeignet, im Sinne des Storytelling packende Geschichten emotional zu erzählen. Geschieht dies in wenigen Sekunden, zum Beispiel mit Hilfe eines Kurzvideos, eines GIFs oder Cinemagraphs, dann spricht man von sog. Snack-Content.

Fazit

Die Konzentrationsfähigkeit des Menschen gegenüber Internet-Inhalten sinkt.
In nur 1,7 Sekunden entscheidet sich, ob der Betrachter sich mit Ihren Postings beschäftigt oder nicht.
Um dies zu erreichen, sollten Sie Ihre Postings mit einem starken ersten Satz beginnen und aufmerksamkeitsstarken, relevanten Snack-Content einsetzen.
Publiziert am 07.09.2017

Franz-Josef Baldus, Akademieleiter der Snack-Content Academy Deutschland

Franz-Josef Baldus, GF koelnkomm kommunikationswerkstatt

Comments: 2

  • Baldauf

    7. September 2017
    reply

    Auf den Punkt gebracht – Danke für diesen klasse Artikel.

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